“Wir sind alle kickersüchtig”
Wenn Daniel Trippe nicht an oder auf einem Spaßgerät steht, ist er nicht glücklich. Früher hat er viel geskatet, heute surft er leidenschaftlich, und seit ein paar Jahren bearbeitet er auch mit viel Herzblut den Kickertisch. Zusammen mit seinem Kumpel Jens “Uhle” Uhlemann hat der 35-Jährige die Dampfwalze Siegen gegründet – ein Kickerclub, in dem Tischfussball kultiviert wird und gleichzeitig Gastgeber der ersten Feuertaufe. Im Interview schildert Daniel, wie er zum Gründungsmitglied wurde, was die schlimmsten Gegner sind und warum er das Kickern so liebt.
Kickerliebe: Wann habt ihr euch gegründet?

Daniel Trippe: Die offizielle Gründungsversammlung war im Januar 2008. Im Frühjahr 2007 hatten Uhle, Pit und ich privat einen Raum mitten in Siegen angemietet, um zu testen, ob die Einnahmen aus einem wöchentlichen DyP die Kosten decken würden. Das war ein Risiko, aber wir wollten raus aus der Kneipe raus und unser eigener Herr sein. Im Nachhinein war das genau die richtige Entscheidung und der wichtigste Schritt in der Entwicklung der Siegener Kickerwelt.
Wie entstand die Idee?
Der Stein des Anstoßes war ein Kickerturnier im Siegener Einkaufszentrum in 2004. Das ging über neun Tage, mit Zuschauertribüne an den Haupttischen unter Betreuung des DTFB. Da kam richtig Bewegung in die kleine Szene, über 140 Teilnehmer hatte das Medienspektakel. Christian Heise von der KGB Hannover hat uns zwischen den Spielen die Augen geöffnet, indem er mal ein paar Schusstechniken ausgepackt hat, die wir noch nie gesehen hatten. Uhle und ich durften als Sieger dann gegen ihn und Klaus Gottesleben spielen. Das war ein Neuanfang für Kickern in Siegen – vorher haben wir nur Bälle geschubst. Den Ausschlag gab dann ein Besuch bei der KGB Hannover im Dezember 2006. Sie waren damals noch in ihren eigenen Katakomben, es gab noch kein Bundesleistungszentrum. Das DyP dort hat uns so gut gefallen, das war so eine coole Kickerkultur, so eine gute Stimmung – und trotzdem wurde am Tisch gekämpft. Das wollten wir auch. Danach ging alles ganz schnell.

Wie viele Mitglieder habt ihr heute? Und wo trefft ihr euch?
Derzeit zählen wir 56 Mitglieder, Tendenz steigend. Fast alle davon kommen aus Siegen. Ein Mitglied kann für eine Monatskarte à 10.- € an allen Spieltagen umsonst spielen, Turniere inbegriffen. Seit 2007 haben wir unsere eigenen Räumlichkeiten im Sieghütter Hauptweg 15: das „Walzenwerk“. Hier stehen 6 Tische, jeden Dienstag ist Training, jeden Mittwoch DyP. Am ersten Sonntag im Monat machen wir seit dem Kickerkralle Turnier 2006 immer ein Fair4All. Bald gibt’s ein durchgehendes Sonntags-Angebot.
Wie viele Teams habt ihr und in welchen Ligen spielen die?
Wir haben drei Mannschaften, das macht 25 gemeldete Ligaspieler, die in der Liga des NWTFV spielen. Zusätzlich spielt die erste Mannschaft in der zweiten Bundesliga.
Wer ist euer ärgster Gegner?
Das sind die Kicker-Devilz aus Bad Ems. Wir haben etwa zur gleichen Zeit angefangen uns zu formieren und als Mannschaft zu spielen. 2006 gab’s das erste Freundschaftsspiel, unser allererstes Match als Mannschaft, das wir knapp gewonnen haben. Die letzten zwei Jahre haben wir in der Landesliga in Rheinland-Pfalz gegeneinander gespielt. Die ganze Sache hat einen spaßigen Unterton, aber am Tisch ist am Tisch. Wir machen keine Gefangenen – die Devilz auch nicht. Natürlich sind wir die bessere Mannschaft. Haben die Devilz überhaupt irgendwann mal gewonnen? Ich kann mich nicht erinnern. Es gibt einen Wanderpokal, auf dem „Battle of Honour“ geschrieben steht, diese Jahr zum ersten Mal auf dem Spiel steht. Da wird’s zur Sache gehen.

Dampfwalze Siegen DYP 1
An was für Tischen trainiert ihr?
Für die Bundesliga des DTFB trainieren wir an am Tecball und am Leo Sport. Zur Vorbereitung auf die P4P Turniere haben wir einen Lehmacher P4P. Beim wöchentlichen DyP spielen wir zusätzlich noch auf dem Ullrich Kicker und einem Leonhart Homesoccer. Zurzeit haben wir als Leihgabe einen Tisch der Firma Lettner, der sich sehr exakt spielt. Das sind zwar alles Soccertische, aber doch leicht unterschiedlich, so dass man sich nie an nur einen Tisch gewöhnt. Das hat spielerisch nur Vorteile. Außerdem kann man bei uns die Tische probespielen. Als Verein beraten wir jeden gern beim Tischkauf. Nächste Woche kommt endlich wieder ein Fireball ins Walzenwerk. Der Tisch ist einfach das Trainingsgerät für saubere Schusstechnik schlechthin. Sind deine Pinshots auf dem Fireball sauber und platziert, dann kannst Du sie auf allen anderen Tischen. Mein persönlicher Traum ist eine Multitable-Arena: Drei Soccertische plus einen Fireball, einen Garlando und einen Bonzini.
Gibt es eine Club-Philosophie?
Ich denke, wir sind zwischenmenschlich ziemlich stark. Neue Gesichter werden immer willkommen geheißen. Es gibt Spieler aus weit entfernten Städten, die sich ihre Geschäftstermine in Siegen so legen, dass sie unser DyP alle paar Wochen mitspielen können. Besonders beim DyP ist die Stimmung super. O-Ton Peter: „Das ist mehr eine Kicker-Party. Und das jeden Mittwoch.“ Dabei nehmen wirs mit den Regeln auch ganz locker. Wir haben, dank Christoph, ein Programm mit 4-Gruppen Los-System, das übermächtige Teams ausschließt. So machts auf Dauer allen Spaß. Zudem muß nach jedem Tor gewechselt werden. Das klingt verrückt, bringt aber die schwächeren Spieler mehr ins Spiel und Bewegung in die Sache. Obwohl jeder gewinnen will, ist das ganze mehr ein Spaß. Wir haben genug Tische – jeder kann die ganze Zeit entspannt spielen. Kein Rauch, günstige Drinks und Würstchen. Kickern ohne Pause, das ist wohl unsere Philosophie. Wir sind alle kickersüchtig.

Dampfwalze Siegen DYP 2
Was macht für Dich die Faszination Tischfußball aus?
Für uns als Club und für mich persönlich ist es sicher das miteinander spielen. Man freut sich auf Kickern, aber auch auf die Leute, die dazugehören. Jeder der kickert, weiß, dass dieser kleine runde Ball die unterschiedlichsten Persönlichkeiten anzieht. Daraus ergeben sich neben dem Spiel auch interessante Begegnungen. Kickern in der Mannschaft ist auch ein unglaubliches Erlebnis. Das kann ich jedem nur empfehlen. Da kommen Emotionen auf…
Was mich am Kickern begeistert hat sich über die Jahre sehr gewandelt. Am Anfang war es für mich ein Abendprogramm nach dem Skaten: Am Kickertisch weiter Moves machen. Ständig neue Tricks ausprobieren und für mich erfinden. Im Moment fasziniert mich die psychologische Komponente von Tischfussball als Leistungssport. Dabei kann man sich selbst noch mal ganz anders kennen lernen. Und kreativ kann man dabei immer noch sein, ganz bestimmt. Aber dafür braucht man dann gute Nervenkontrolle.
Kickern ist eins der besten (Sport)Spiele und damit unglaublich facettenreich – auf jedem Spielnievau und mit jeder Einstellung zum Spiel.
Wie passen denn eigentlich Skaten, Surfen und Kickern zusammen?
Das ist alles Spaß an der Bewegung, am Bewegungsgefühl, Spaß an dem, was aus der Bewegung wird – Kreativität nicht zu vergessen – und, besonders was Kickern angeht, ist alles die pure Selbsterfahrung. Beim Kickern find ich besonders die Nähe zu Gegner und Mitspieler gut. Auch wenn ich es mittlerweile als Sport sehe – die Sprüche sind die gleichen geblieben, wie in der Kneipe. Es sind alles Dinge, in denen man sehr individuell sein kann, eine persönliche Note haben kann, sich ausleben kann. Ohne Selbstdisziplin, ohne Willen und Engagement kommt man aber bei allen dreien nicht besonders weit, obwohl der Spaß an der Bewegung, die Action an sich, bei mir immer im Vordergrund steht.
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